Was mir der Head of Innovation in Dubai über AI erzählt hat

Der Taxifahrer stoppte vor dem Dubai International Financial Centre (DIFC). Ich stieg aus dem klimatisierten Auto in die Hitze der Wüste. Naja, Wüste war eher metaphorisch. Denn wohin ich auch schaute, sah ich modernste Hochhäuser. Das DIFC ist ein kompletter Stadtteil neben Downtown Dubai. Hier haben nicht nur internationale Banken, PE-Häuser oder Asset Manager ihre Standorte. Hier gibt es einige der besten Restaurants und Hotels, eine Mall und Wohnungen für tausende Menschen.
Das DIFC entstand vor gut 20 Jahren als Bürostandort für die aufstrebende Finanzbranche in Dubai. Heute ist es das wichtigste Zentrum für AI in der gesamten Golf-Region.
Denn: Finance ist nur noch ein Teil des DIFC-Anspruchs. AI ist mindestens genauso wichtig geworden, und in den nächsten Jahren kommen die Themen Raumfahrt und Robotik dazu.
Das weiß ich so genau, weil ich für ein Treffen mit dem Head of Innovation des DIFC dorthin gekommen war. Während unseres Gesprächs zeigte er mir den DIFC-Masterplan. Das Ziel: 500 AI- und Web-3.0-Unternehmen am Dubai AI Campus bis 2028, 300 Millionen US-Dollar Kapital, 3000 neue Stellen, AI als horizontaler Layer unter jedem Geschäftsmodell.
Und jetzt vergleichen wir das mal mit dem, was in Deutschland und Europa passiert. Ja, merken wir alle selbst...
Seit zwei Jahren bin ich regelmäßig in den Emiraten. Ich baue dort ein Netzwerk auf, habe letztes Jahr in ein AI-Startup im DIFC investiert. Ich würde sagen, ich verstehe die VAE.
Und trotzdem komme ich jedes Mal beeindruckt von der Ambition und der Geschwindigkeit der Region nach Hause. Und ja, dort herrschen andere Strukturen, andere Regulierung, andere Risikoprofile. Das lässt sich nicht eins zu eins übertragen.
Aber übersetzen lässt es sich. Denn: Europa hat alles, was die nächste Wachstumsphase verlangt. Wissen, Kapital, Märkte, Infrastruktur, Talent. Aber wir warten eben auf perfekte Bedingungen, statt loszubauen. Dubai macht, wir beobachten. Das Ergebnis steht in der RAND-Metaanalyse von 2025: 80 Prozent der Enterprise-AI-Projekte liefern den versprochenen Business-Wert nicht. Die Technologie ist das kleinste Problem, die LLMs sind Commodity, Compute Power wird immer günstiger, die Modelle in immer kürzeren Abständen immer besser. Aber etablierte Unternehmen versuchen, die AI-Growth-Phase mit den Methoden der Interface-Phase von vor zehn Jahren umzusetzen, mit langen Pflichtenheften, starren Projektplänen und komplizierter Governance.
Und die Emirate sind nicht nur eine Blaupause für Geschwindigkeit. Die Golf-Region (also neben den VAE vor allem Saudi-Arabien und Katar) ist neben den USA und China der dritte Ort, an dem die Zukunft von AI gerade konkret entsteht.
KI macht etwas, das wir Menschen nicht so gern mögen: sehr schnelle Veränderung mit sehr viel Unsicherheit. Ich nenne das gern "Unknown Unknowns".
Die Menschen in Dubai gehen damit aber sehr viel anders um als wir in Europa: Sie arbeiten mit der Unsicherheit. Sie wissen nicht genau, was kommt. Aber sie laufen los, sie probieren aus, sie gehen mit sehr viel Ambition ins Rennen. Werden sie alles genauso umsetzen? Sicher nicht. Aber das gehört eben auch dazu: Scheitern, Adjustieren, neu machen.
Wir brauchen in Europa ein wenig mehr von dieser Attitüde. Ein wenig mehr Offenheit für Unknown Unknowns. Ein wenig mehr Ambition.